Der Islamismus ist durch eine enge Verknüpfung von Theorie und Aktivismus sowie von Religion, Recht und Politik geprägt. Er tritt als religiös begründetes Staats- und Gesellschaftsmodell sowie als politische Protestbewegung auf.
Islamisten begreifen den Islam nicht als eine rein private Glaubensangelegenheit, sondern als eine ganzheitliche und für alle Muslime verbindliche Lebensordnung, welche durch islamische Rechtsvorschriften, u.a. in den Bereichen des Familien-, Erb- und Strafrechts geregelt werden soll. Die von Islamisten geprägte und häufig verwendete Formel „Der Islam ist Religion und Staat“ unterstreicht diesen Anspruch.
Der Islamismus tritt darüber hinaus als Bewegung mit starkem Bezug zur aktuellen Weltpolitik auf, genauer gesagt als Protestbewegung. Der Protest richtet sich dabei gegen all diejenigen, die nach Auffassung von Islamisten für das Leid von Muslimen verantwortlich sind. Die Mehrheit der Islamisten weltweit wie in Deutschland artikuliert ihren Protest verbal, schürt jedoch durch permanente, kollektive und einseitige Schuldzuweisungen sowie Verschwörungstheorien Feindbilder. Dies hat nicht zuletzt zur Entstehung mehrerer gewalttätiger und terroristischer Gruppierungen beigetragen.

